Einige Stichwörter zur Wirtschaftspolitik

Und noch ein alter Artikel – zu letzt gepostet…

Sun Jan 09, 2011 6:02 pm

Sparen:In Zeiten der Naturalwirtschaft (Selbstversorgung) ist Sparen = Vorratshaltung. Wenn möglich wird ein Überschuss produziert, der nicht kurzfristig, sondern später konsumiert wird. Dieser Vorrat dient als Puffer für schlechtere Zeiten. Güter die man nicht selbst produziert, tauscht man am besten in guten Zeiten aus, und legt dann auch von den so erworbenen Produkten etwas auf die Seite, so steht der Vorrat zur eigenen Verfügung.

In der Marktwirtschaft produziert der Produzent jedoch nicht – oder nicht in 1.Linie, für den eigenen Bedarf, sondern für den Verkauf. Kann er seine Waren nicht verkaufen, fällt auch der Anreiz für die Produktion, und für Investitionen zur Verbesserung / Ausweitung der Produktion, dahin.

Sparen heisst weniger Ausgeben als man einnimmt. (oder evtl. – weniger Ausgeben als man bisher ausgegeben hat…).
Alle Einnahmen sind die Ausgaben von jemand anderem…/ und vice versa.
Also bedeutet sparen (gesamtwirtschaftlich): die Ausgaben sind tiefer als sie sein könnten, und daher sind auch die Einnahmen geringer als sie sein könnten – oder – damit Person A sparen kann, braucht es eine Person B, die mehr ausgibt als sie einnimmt. (Also entweder Ersparnisse auflöst, oder Schulden macht).
  • Ergo: Je mehr gespart wird, desto weniger Einnahmen, d.h. desto weniger bleibt übrig um zu sparen…
  • Je mehr Ausgegeben wird, desto mehr Einnahmen, und desto mehr kann übrig bleiben um zu sparen…
Sparen kann einzelnen (Individuen, Firmen, evtl. Kleinstaaten) erlauben, sich einen grösseren Anteil am Kuchen der künftigen Produktion und Dienstleistungen zu sichern. Da es jedoch die aktuelle Nachfrage dämpft, wird das künftige Angebot, (der zukünftige Kuchen) kleiner sein.
Ergo: Sparen läuft dem Wesen des Kapitalismus eigentlich zuwider – der Sparer reduziert den künftigen Wohlstand der Gesellschaftund hofft, seinen eigenen Anteil daran zu erhöhen…Geldumlauf + Konjunkturzyklus.

In einem theoretischen Modell mit geschlossenem Markt und konstanter Geldmenge ist die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes die wichtigste Variable. Je häufiger es die Hand wechselt, desto mehr Umsatz in einer gegebenen Zeit, und daher, desto höher die Einnahmen.

Wird gespart, reduziert das die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes.

Ergebnis: Weniger Nachfrage nach Konsumgütern und Dienstleistungen, weniger Investitionen, und daher auch tiefere Zinsen. Tiefere Zinsen machen jedoch längerfristig das Sparen unattraktiv, und die Kreditaufnahme zur Finanzierung von Investitionen (und teilweise auch von Konsum) attraktiver. Kreditaufnahme beschleunigt den Geldumlauf, die Umsätze steigen, und, dank der höheren Verschuldung / sinkender Sparquote, steigen die Zinsen auf den Sparguthaben / und Darlehen. Schliesslich dämpfen die steigenden Zinsen die Kreditaufnahme, die Wirtschaft schrumpft, und die Ersparnisse steigen wieder an…

Dies wäre ein normaler Konjunkturzyklus… Solange die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes zunimmt, wächst die Wirtschaft, steigen die Preise, die Löhne, die Zinsen, und die Schulden – sinkt die Umlaufgeschwindikgeit, schrumpft die Wirtschaft, sinken die Preise, die Löhne und die Zinsen, während die Ersparnisse zunehmen.

Rolle des Staates

Grundsätzlich ist der Staat ein wirtschaftlicher Akteur wie jeder andere. Er kann jedoch ausgleichend wirken. D.h. wenn die privaten Ersparnisse zu hoch werden (Abschwung) kann er durch ein höheres Defizit die Wirtschaft ankurbeln. Bei konstanter Geldmenge würde dies die Umlaufgeschwindigkeit erhöhen. Sollten die hohe Neuverschuldung auch bei bereits hohen Zinsen beibehalten werden, würde dies die privaten Investoren und Konsumenten verdrängen.

In der Praxis haben aber heute keine Länder mehr eine konstante Geldmenge, sondern die Notenbanken passen die Geldmenge den wirtschaftspolitischen Zielen an. Daher muss ein hohes Staatsdefizit nicht zwingend zu hohen Zinsen führen, und die privaten Investoren müssen nicht verdrängt werden. Wird die Geldmenge jedoch sehr stark ausgedehnt, führt dies zu Inflation, d.h. die Ersparnisse der Privaten verlieren relativ rasch an Wert. Anderseits begünstigt eine mässige Inflation in der Regel die Investitionstätigkeit und den Konsum (Sparen lohnt sich nicht, Schulden sind nicht so schlimm…). D.h. moderate Inflation vergrössert i.d. Regel den Kuchen, und reduziert den Anteil der bisherigen Sparer am künftigen Kuchen.

Anhaltend tiefe Zinsen sind ein klares Anzeichen von zu tiefen Investitionen, von zu viel Sparen. Eine wichtige Ursache dafür ist staatlich verordnetes Zwangssparen (z.B. durch Pensionskassen), oder andere staatliche Massnahmen die das Sparen begünstigen (wie Steuervergünstigungen für 3. Säule, Bausparen usw. D.h. die Hauptursache dafür, dass die Pensionskassen heute keine genügenden Erträge erwirtschaften können, sind .. die Pensionskassen! Mehr Sparen(PK-Beiträge)-> weniger Konsum->weniger Investitionen->tiefere Zinsen->schlechtere Deckung der PK->höhere Beiträge / tiefere Renten->weniger Konsum….usw.
Daneben tragen tiefe Zinsen auch zu erhöhter Risikobereitschaft bei (mindestens bei den PK-Managern.) Statt in reale Investitionen geht das liquide Kapital in spekulative Anlagen. Kurzfristige Bewertungsgewinne (z.B. in Aktien) scheinen das Problem zu lindern, doch sind die hohen Bewertungen nur solange vorhanden, als die Spekulationsblase anhält – sobald die Blase platzt, resultieren Verluste.

Einen Einfluss hat zudem auch die demographische Entwicklung (steigendes Durchschnittsalter der Bevölkerung in zahlreichen Ländern, dank höherer Lebenserwartung und sinkender Kinderzahl.) Je höher das Durchschnittsalter, desto höher oft auch die Neigung zu sparen. („das brauche ich nicht mehr“, „das alte tut’s doch auch noch“) – d.h. weniger Konsum, und weniger Investitionen, sinkende Zinsen, sinkendes Wirtschaftswachstum.(oder schrumpfende Wirtschaft).

Einen Ausgleich schafft normalerweise eine verstärkte Zuwanderung, das Durchschnittsalter der Bevölkerung sinkt, die Bevölkerung, der Konsum, die Investitionen, Wirtschaftswachstum und Zinsen ziehen an.

Produktivität:

Die rasche technische Entwicklung erlaubt es, mit neuen Maschinen und Verfahren entweder mehr mit demselben Aufwand herzustellen, oder gleichviel mit weniger Aufwand. Die wichtigste Einheit des Aufwandes ist die notwendige Arbeitskraft. Je grösser der Produktivitätsfortschritt, desto weniger Arbeit wird benötigt um ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen. Tatsächlich hat in den entwickelten Industriestaaten der Anteil der Erwerbstätigen, die in der Produktion von Gütern beschäftigt sind, in den letzten Jahrzehnten stark abgenommen. D.h. ein immer kleiner werdender Teil der Produktion wird tatsächlich von den Produzenten konsumiert, es findet ein Transfer der Einkommen zu Personen statt, die nicht am Produktionsprozess teilnehmen.

Dieser Transfer hat einerseits die Form von direkten Zahlungen an Konsumenten, in Form von Renten, Sozialleistungen usw. Hier findet eine direkte Umverteilung statt, indem Beiträge erhoben / Steuern kassiert und diese [oder durch die Notenbank produziertes Neugeld] an die Empfänger verteilt werden.

Daneben gibt es indirekte Transfers, in dem ein immer grösserer Teil der Erwerbstätigen im sogenannten „Dienstleistungssektor“ tätig ist. Ein grosser Teil dieser Stellen hat jedoch traditionell eine sehr niedrige Produktivität, und wenig Chancen, diese in absehbarer Zeit massiv zu erhöhen – der Anstieg dieser oft schlecht bezahlten Stellen ist eher ein Anzeichen eines Arbeitskräfteüberschusses, und sicher nicht eines Arbeitskräftemangels. [Typische Beispiele: Gastgewerbe, Verkauf, Taxi, Coiffeure, usw..]

Der einzige Dienstleistungsbereich, der einen bedeutenden Produktiviätsfortschritt verzeichnet, ist bezeichnenderweise das Gesundheitswesen. Dies ist eindeutig die Branche, die am wenigstens dank dem freiem Markt wächst, sondern fast vollständig durch Transferleistungen finanziert wird (Versicherungen / Subventionen).
[Ob „Finanzdienstleistungen“ eine eigene Produktivität haben, oder nur eine andere Form des Transfers sind, kann hier offen bleiben…]

Tatsache ist, dass es in den meisten westlichen Ländern trotz zunehmender Überalterung NICHT zu wenige Arbeitskräfte hat, sondern zu viele – Daher gibt es viele Arbeitslose und immer mehr Leute mit marginalen Positionen im Dienstleistungsgewerbe. Jede Erhöhung des Rentenalters wird daher das Problem verschlimmern.

Wiederum die einzige Ausnahme wären das Gesundheitswesen (inkl. Spitex und Altersheimen) sowie teilweise die Bildung, und diese sind direkt oder indirekt staatlich finanziert.

Die heute verbreiteten Steuersysteme setzen oftmals ebenfalls falsche Anreize: Konsumsteuern wie die Mehrwertsteuer dämpfen den Konsum, verlangsamen also die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, während (stark progressive) Einkommens und Erbschaftssteuern die Geschwindigkeit erhöhen.

Daraus folgt: Eine richtige Politik muss den Produktivitätsfortschritt durch höhere Transfers stärker umverteilen, Investitionen fördern, und die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes hoch halten. Mittel sind:

Reduktion des Rentenalters, mehr Ferien, kürzere Arbeitszeit, höhere Löhne + Renten, höheres Staatsdefizit, weniger Beiträge in die Pensionskasse, die Krankenkasse, höhere Subventionen für Gesundheitswesen und Bildung, mehr Investitionen in die Infrastruktur. weniger Konsumsteuern, höhere Steuern auf hohen Einkommen, Erbschaftsteuern.

Belebung der Wirtschaft durch höhere Einwanderung.

Die Konsequenz ist in fast jedem Fall ein höheres Staatsdefizit. Dies ist jedoch nichts negatives, und auch nicht wirklich eine Schuld, die je zurückbezahlt werden muss.

Wenn durch das höhere Staatsdefizit sehr viel Geld in Umlauf gerät, steigt allenfalls die Inflation. Dazu könnte auch der Aussenwert der Landeswährung sinken, was Einfuhren verteuert, und Ausfuhren verbilligt. Dies wiederum sollte Investitionen in die Produktion begünstigen.

In der Praxis ist das natürlich das exakte Gegenteil dessen, was bürgerliche Politiker empfehlen und fordern, und was Sozialdemokraten unter dem Druck der bürgerlichen meistens als unvermeidlich akzeptieren. Die bürgerliche Politik ist jedoch ausschliesslich daran interessiert, den kurzfristigen Interessen der grossen Unternehmen, der Banken und der Besitzer grosser Vermögen zu dienen. Und diese wollen weniger Steuern, weniger Sozialleistungen, weniger Defizit (i.d. Regel – nicht immer – Defizite sind akzeptabel wenn sie bestimmten Interessengruppen dienen) und wenig Inflation.

Dass dadurch die Wirtschaft auf die Länge schrumpft, interessiert sie nicht, den auf die Länge sind wir eh alle Tod, und da die bürgerliche Ideologie kein schlüssiges Konzept hat, wird einfach abgestritten, dass dies langfristig die Probleme nicht löst sondern erst schafft.

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